Der BILD Sexismus Check

Als Kampagne gegen Sexismus in der BILD-Zeitung und anderen Medien bennen wir klar Fälle von Sexismus, Misogynie, Homo- und Transphobie und teilen dies mit Euch auf unseren Social Media-Kanälen.

 

Mit unserem BILD Sexismus Check wollen wir einen Schritt weiter gehen und nicht mehr nur benennen was uns stört, sondern inhaltlich tiefer gehen und sagen was genau uns an den geclippten Bilder, Texten oder Überschriften. Darüber hinaus wollen wir auch Alternativen aufzeigen, ein SpiegelBild für (angehende) Journalist*innen sein und zeigen wie Inhalte besser oder anders verpackt werden können.

 

Was stört uns daran? 

Ah ja, die dreifache Mutter… wie viele Kinder hat Baschar al-Assad noch mal? Die Bildunterschrift verrät: mindestens  die drei, die er sich mit Asma teilt. Trotzdem scheint sich niemand zu fragen, wie er es als Vater verantworten kann, Kinderleben auf dem Gewissen zu haben. Muss wohl daran liegen, dass Frauen der Familienkram einfach näher liegt. Oder es greift mal wieder der sexistische Medienreflex, Menschen nach geschlechtersortierten Rollen zu portraitieren.

Im Artikel wird außerdem genüsslich über Asma al-Assads teuren Modegeschmack referiert, der sie anscheinend ebenfalls als herzloses Ungetüm brandmarkt. (Wann war noch mal das letzte Mal, dass BILD Frauen von einem Interesse für Mode abgeraten oder Billigmode propagiert hatte?)

Aus ihrer öffentlichen Weigerung, zu fliehen, wird ohne weiteres die Schlussfolgerung, dass sie wohl quasi der Ursprung aller Regierungs-Grausamkeiten sein müsse, indem sie „ihrem Mann wahrscheinlich tagtäglich neuen Hass“ einflüstere.

Geht das besser? 

Es geht nicht darum, Asma al-Assads Image zu retten, weil sie eine Frau ist. Aber genauso wenig geht es darum, sie dafür zu verurteilen, dass sie eine weibliche Rolle (die aufopferungsvolle Mutter, die schutzsuchende Frau) nicht gut genug spielt.

Viel interessanter, anstatt eingehender Abhandlungen darüber, welche Schuhe sie wohl mag, wäre Hintergrundwissen zu Asma al-Assads politischem Einfluss, vor und während des Bürgerkriegs. Hat sie (offizielle oder inoffizielle) Ämter inne? Äußert sie sich (regelmäßig und ernsthaft) zu politischen Themen, oder lassen sich alle ihre Äußerungen unter dem Stichwort ‚Propaganda‘ abhaken? Wie sieht es mit ihren Kontakten zu anderen Amtsinhabenden aus? Diese Fragen zu beantworten, würde den Lesenden nicht nur echte Information über den Krieg in Syrien geben. Es würde auch vermeiden, stereotype Frauenrollen zu reproduzieren. Die schaden nämlich allen: Frauen, die sich für Mode interessieren und dafür als oberflächlich abgestempelt werden, und solchen, die es nicht tun und zu hören bekommen, sie seien ‚nicht richtig weiblich.‘ Frauen, die keine Mütter sein können oder wollen. Kindern, deren Mütter diese Rolle schlecht oder nicht ausfüllen. Frauen, die es nicht schaffen, sich von einem Partner zu trennen und für seine Handlungen mit verantwortlich gemacht werden. Und Opfern von Frauen als Ausüberinnen von Gewalt, denen nicht geglaubt wird, weil ‚Frauen zu sowas doch wohl nicht in der Lage sind.‘

Jolie-Pitt Scheidung

 Was stört uns daran?

Armer, armer Brad, böse, böse Angelina. Klar, mit einer Frau, die sich von ihrem Mann trennen will, kann ja irgendwas nicht stimmen. Schon gar nicht,wenn der so ein Frauenschwarm ist. Aus heiterem Himmel und völlig irrational fällt ihr sowas ein. Der im Raum stehende Vorwurf von häuslicher Gewalt wird im Artikel als bösartige Erfindung dargestellt, die Pitts vergeblichem Aufruf entgegensteht, die  Scheidung  ‚wie Erwachsene‘ zu handhaben. 

 

Geht das besser?

Zunächst mal, wie wäre es damit, sich zum Privatleben anderer Leute an deren offizielle Aussagen ('Differenzen') zu halten? Sollte hier später wirklich wegen häuslicher Gewalt ermittelt werden, hat Jolie jedenfalls das Recht auf eine faire, ausgewogene Ermittlung (und entsprechende Mediendarstellung). Die Einstellung, dass Opfer von häuslicher Gewalt und/oder Vergewaltigung ihre Aussagen fälschen, um Aufmerksamkeit zu heischen oder sich an Expartnern zu rächen, trägt entscheidend dazu bei, dass Betroffene entweder aus Angst keine Hilfe suchen oder aber keine Unterstützung erfahren, weil von ihnen schon erwartet wird, unzuverlässig zu sein. Und zu guter Letzt: wer schon schmutzige Wäsche waschen muss, könnte wenigstens alle Beteiligten zu Wort kommen lassen, anstatt Stereotype von missgünstigen, hysterischen Ehefrauen zu bedienen.

So hübsch...

Was stört uns daran?

 Kaia Gerber und Carys Douglas haben viele Talente.... Ja welche eigentlich? Die junge BILD-Tochter BYOU verschweigt das und reduziert beide auf ihr Äußeres. Das ist nicht nur lookistisch, also auf das Äußerliche reduzierend, sondern auch sexistisch. Hätte BYOU das auch mit Jungs gemacht? Wohl kaum, denn in der Welt von BILD machen Jungs etwas, während Mädchen gut aussehen – und mehr als gutes Aussehen auch nicht zu brauchen scheinen.

 

Geht das besser?

 Erstmal, was heißt hier eigentlich ‚hübsch’? Bei der BILD-Zeitung sind oft dieselben Menschen ‚hübsch’ – sie sind weiß, haben Geld, sind erfolgreich (es sei denn, es sind Frauen, dann reicht das Aussehen), sportlich und haben keine sichtbaren Behinderungen. Ein guter Schritt wäre es also, ein diverseres Bild von Menschen zu zeigen, die sich selber schön finden und die den Menschen dann auch irgendwie ähnlicher sind, die BILD lesen. Denn die Leser*innenschaft ist auch viel diverser, als die Gesellschaft die BILD (oder BYOU) jeden Tag abbilden.

 

Zweitens wäre es hier doch toll mehr über Kaia Gerber und Cary Douglas zu erfahren. Was treibt die beiden an, worin sind sie gut, für was setzen sie sich ein? Und vielleicht auch, welche Schwächen haben sie?

 

Es gibt so viel mehr über Menschen zu erfahren, außer das sie ‚hübsch’ sind...

 

kim kardashinas kleid

Was stört uns daran?

 Kim Kardashian zeigt sich gern – das wissen auch jene von uns, die nicht zu ihren 80,4 Millionen(!) Followern auf Instagram gehören. Sie steht zu ihrem Körper und kleidet sich nach ihrem Geschmack. Und was macht die BILD daraus? Sie findet Kim Kardashian offensichtlich zu dick. Das ist zum einen Bodyshaming, denn Kims Körper wird als zu dick für dieses Kleid befunden und zum anderen sexistisch – denn würde BILD genauso auf Kanye Wests Hüfte schauen? Wohl kaum.

  

Geht das besser?

Ob der vielen ‚Ratschläge’, Diät- und Kleidungstipps fühlen sich viele Frauen verunsichert bei der Wahl ihrer Kleidung. Anstatt also vorzugeben, Kim Kardashian würde gequetscht aussehen, könnte BILD aufhören Frauen in einen Typ Körper zu pressen und anstatt zu sagen: „Seid, wie ihr euch wohlfühlt, und kleidet euch, wie ihr Lust darauf habt.“.

 

 

1 brasilianisches model

Was stört uns daran?

Warum schreibt BILD nicht gleich „1 Brasilianisches Model“. Netzsprache soll ja ganz cool sein – und warum um Rechtschreibung kümmern, wenn die journalistische Sorgfaltspflicht eh schon über Bord gegangen ist? Von der abgebildeten Frau erfahren wir nichts. BILD schreibt sie sei ein Model, aber wer genau? Hier dient ihr Bild lediglich der Staffage der BILD-Homepage und ist damit exemplarisch für den Umgang von BILD mit Frauen – sie sind Objekte, die dekorieren, Lust wecken und dabei möglichst unkompliziert sein sollen. Das ist sowohl sexistisch als auch misogyn, denn es ent-nennt die Leistungen von Frauen, macht sie unsichtbar und stattdessen werden immer nur die Lebensleistungen von Männern betont. Gefährlich ist hier auch die Sexualisierung mit der Bildunterschrift. Das fügt sich ein die von BILD zelebrierte Kultur der sexuellen Verfügbarkeit von Frauen. Zusätzlich zur Objektivierung wird die eingenommene Pose mit der Bildunterschrift dahingehend kommentiert, dass sich die Frau hier wohl für mehr als nur eine Jetski-Fahrt anbiete. Sie wird als verfügbar markiert – für den gemeinen BILD-Leser vielleicht der lustvolle Höhepunkt des Tages, der dennoch brandgefährlich ist. Denn wenn Frauen in den Medien schon so dargestellt werden – sind dann nicht alle Frauen immer sexuell verfügbar? Somit kann dieses Bild auch als ein Artefakt von Rape Culture gelesen werden. Tatsächlich wissen wir aber nicht viel über das brasilianische Model, ihre Jetski-Tour und diesen schönen Sommertag (Sonne & Meer sind nie verkehrt).

 

Geht das besser?

Derartige Sexualisierungen gehen nie besser, denn sie fördern per se Rape Culture und leisten dem Bild der sexuell ständig verfügbaren Frau weiter Vorschub. Wenn BILD diese Frau nicht nur als Lustobjekt für ihre Leser hätte verwenden wollen, sondern ernsthaft über das Model zu berichten versuchte, wäre der Anfang mit der Nennung des Namens gemacht. Hier steht aber ihr, sexuell scheinbar verfügbarer, Körper im Vordergrund. BILD könnte z.B. ihr Gesicht zeigen, ihren Namen nennen und beschreiben mit wem sie unterwegs war, welche Modeljobs sie hatte usw. Damit wäre nicht nur ein Mindestmaß an journalistischer Qualität sichergestellt, sondern aus dem hier sexualisierten Frauenkörper wäre eine eigenständige Person geworden, die ungleich schwieriger als ständig und für immer alle verfügbar zu begreifen wäre.