"Bum-Bum-Baby, wie groß du geworden bist!"

 

 

Schlagzeilen und Abbildungen, in denen junge (teilweise minderjährige) Frauen als begehrenswert dargestellt werden, sind in den Medien keine Seltenheit. Insbesondere Werbung setzt immer wieder auf aufreizende und erwachsene Inszenierungen von jungen Mädchen sowie Darstellungen erwachsener Frauen als mädchenhaft in Schuluniform mit Lollypops oder Spitzensöckchen- beide Arten von Repräsentationen haben gemeinsam, dass sie Jugendlichkeit bzw. Kindlichkeit mit Sexualität verbinden. Erst 2011 gab es einen Skandal um Werbeaufnahmen der französischen Vogue, die ein 10-jähriges Mädchen stark sexualisiert in lasziven Posen inszenierten und bereits Ende der 90er sorgte ein Bild aus dem Rolling Stone Magazine für Aufsehen, in dem die 18-jährige Britney Spears aufreizend gekleidet in einem Kinderzimmer zwischen Puppen und Teddybären zu sehen war.

 

Auch der Bildzeitung scheint es große Freude zu bereiten, die Aufmerksamkeit ihrer Leser*innen besonders auf das Aussehen junger Mädchen zu richten ("Kate Moss so süß mit 14"). Wenngleich sie in den Schlagzeilen nicht direkt sexualisiert werden trägt die verwendete Sprache dazu bei, das immer noch kindliche Aussehen der Mädchen mit Begehren zu assoziieren, bspw.: „Bum-Bum-Baby, wie groß du geworden bist!“ (Anna Ermakova war zu diesem Zeitpunkt 16). Wären diese Darstellungen so harmlos wie BILD behauptet, würden wir häufiger Artikel finden, in denen Jungen auf die selbe Weise dargestellt werden.

Zudem wird auffallend häufig Sexualisierung erwachsener Frauen mit Verniedlichungen und Verkindlichungen verknüpft: „Candice hat ihre Bäckchen geschnürt“, „Ätsch bätsch, ich darf essen was ich will“ oder „Sexy Bäckchen“. Das Bild von einer Frau im Schulrock, die sich beschämt zwischen die Beine fasst scheint zu den Lieblingsfotos der Bildredaktion zu gehören und wird (gefühlt) für jeden zweiten Ratgeber-Artikel benutzt („Pipi beim Lachen - Ist das schon Blasenschwäche?“). Und insbesondere bei Berichten über junge Frauen wird das Alter bereits in der Schlagzeile erwähnt: „Lionel Richies Tochter Sofia (17) Achtung gefährlich, heiße Kurven“ oder „Alle sind verrückt nach dieser 19-jährigen“.

 

Ich finde nicht, dass all diese Darstellungen lediglich dem zunehmenden Jugendwahn unserer Gesellschaft zuzuschreiben sind oder sie als harmlos abgetan werden können. BILD und andere Medien verwenden mit Kindlichkeit assoziierte Sprache und Symbole so häufig in sexualisierten Kontexten, dass sie zum Teil automatisch mit Sexyness verbunden werden und die Problematik kaum mehr auffällt.

 

Ich sehe mindestens vier Probleme, die sich aus Repräsentationen dieser Art ergeben:

 

  1. Begehren ist nicht ausschließlich individuell und unabhängig von sozialen Faktoren, sondern wird durch die Gesellschaft und somit auch die Medien geprägt (man beachte bspw. die  Idealisierung kurviger Frauen in den 50ern und extrem schlanker Frauen heute). Forschungen ergaben, dass Kindlichkeit schneller mit Begriffen wie „sexy“ assoziiert wird, wenn zuvor Medien (im Fall dieser Studie pornografischer Art) konsumiert wurden, die zum Beispiel kindlich gekleidete Frauen sexualisierten: „the research demonstrated that exposure to youth sexualizing materials (e.g. materials that sexually display or reference those who appear to be minors) created cognitive links between sex and minors that were not necessarily evident without such exposure.“

  2. Insbesondere Frauen und junge Mädchen sind alltäglichen Belästigungen ausgesetzt, die sie dazu verleiten können, ihr Verhalten einzuschränken und bspw. bestimmte Kleidung, Orte oder auch Blicke zu meiden. Der intensive Austausch über soziale Medien (bspw. über die Hashtags #aufschrei oder #ausnahmslos) fördert das Ausmaß der sexuellen Belästigung bis hin zu sexualisierter Gewalt zutage, die bereits Kinder in beunruhigend hohem Maße erfahren. Medien wie BILD, die bereits minderjährige Mädchen als begehrenswerte Anschauungsobjekte präsentieren und einzig aufgrund ihres Aussehens Beachtung schenken, fördern ein gesellschaftliches Klima, in dem sexuelle Belästigung von Mädchen an der Tagesordnung ist.

  3. Die mediale Reduzierung von Mädchen und Frauen auf ihr Äußeres hat zahlreiche negative Auswirkungen auf ihr Selbstwertgefühl und die Art, wie sie ihr Leben gestalten. Diese Auswirkungen sind bekannt und von verschiedenen Studien nachgewiesen. Dies führt dazu, dass heutzutage bereits 7-jährige Mädchen unzufrieden mit ihrem Körper sind, sich zu dick fühlen und Druck spüren, perfekt sein zu müssen. Die Darstellung immer jüngerer Mädchen als Objekte der Begierde und als „hübsche Deko“, ohne andere Attribute zu thematisieren schürt das Gefühl vieler Mädchen, einzig über Äußerlichkeiten Aufmerksamkeit erlangen zu können.

  4. Wird über erwachsene verniedlichend und in „Babysprache“ gesprochen wird ihnen jegliche Kompetenz abgesprochen, sie werden durch diese Darstellungen infantilisiert. Dies wirkt sich auf den Alltag und das Miteinander aus, verhärtet Stereotype über Mädchen und Frauen und begünstigt, dass sie in Gesprächen nicht ernst genommen werden.

 

Schlagzeilen und Darstellungen dieser Art erzeugen kulturelle Mythen darüber, was begehrenswert ist und was nicht und tragen zu unserer Vorstellung von Normalität bei. Medien wie BILD müssen erkennen, dass Macht mit Verantwortung einhergeht:

 

Whereas attraction to children may once have been conceived of as an isolated fetish, it may now be a trope or discourse that is illustrated, marketed, and perpetuated in the mainstream media. And as Foucault (1979) maintained, one central focus of any discourse is to identify and then regulate what is considered normal by society“.


Lisa Purzitza

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Renee Bensinger (Montag, 06 Februar 2017 14:37)


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