Wir haben nachgezählt -              Unsere Bild-Studie

Die Bild-Studie Teil 2


Der zweite Teil unserer Bild-Studie wird in einer dreiteiligen Blogreihe veröffentlicht- hier gibt es die vollständige Studie zum Download:

Die Bild-Studie Teil 1


Ziel der Analyse war es, den Sexismus in der Bildzeitung anhand von Datenmaterial zu belegen und zu veranschaulichen. Die Abbildungen aus 39 Printausgaben der Bild im Zeitraum vom 16.5. - 2.7.2015 wurden auf die Häufigkeit der Darstellungen von Frauen und Männern untersucht. Untergliedert wurde die Suche nach folgenden Rubriken: Titelseite, Politik/Wirtschaft, Skandal/Unglück, Sport und Unterhaltung.

 

Bei der Untersuchung handelt es sich um eine hauptsächlich quantitative Analyse des Bildmaterials in der Bildzeitung. Qualitative Aspekte der Darstellung von Geschlecht beschränken sich auf die Frage, ob die abgebildete Person nackt, mit freiem Oberkörper oder leicht bekleidet zu sehen ist. Nicht untersucht wurde die Darstellungsart der Personen in den Bilder wie z. B. Haltung, Hintergrund, Perspektive etc. Auch eine inhaltliche Analyse der Artikel von bspw. Kontext und Sprachwahl blieb blieb außen vor. Obwohl aufgrund der Beschränkung auf eine quantitative Untersuchung Differenzierungen durch diese Analyse nicht abgebildet werden, ergeben sich dennoch eindeutige Ergebnisse über die Darstellung von Frauen in der Bildzeitung.

 

Frauen- und Männeranteil in den einzelnen Rubriken

 

Durchschnittlich tauchen in einer Bildzeitung 155 Abbildungen von Personen auf. Nur ca. ein Drittel davon ist Frauen (34% Frauen, 66% Männer). Lediglich im Unterhaltungsbereich ist das Verhältnis relativ ausgeglichen (49,6% Frauen, 50,4% Männer). 

 

 

Da allerdings in der Bildzeitung insgesamt weniger Frauen auf den Bildern zu sehen sind, bedeutet das gleichzeitig, dass ein Großteil der Frauen, die überhaupt abgebildet sind, in der Unterhaltungsrubrik verortet werden: 61,4% aller Frauen finden bei der Bild ihren Platz in diesem Bereich. Am zweitgrößten ist der Frauenanteil in der Rubrik Skandal/Unglück. Er beträgt hier 39,2% (10,7% aller Frauen). Auf der Titelseite befinden sich im Durchschnitt 8 Personen. Davon sind rund ein Drittel Frauen (36,3% Frauenanteil, 5,7% aller Frauen). Am geringsten ist der Frauenanteil in den Bereichen Politik/Wirtschaft (23,6% Frauenanteil) und Sport (16,4% Frauenanteil). Nur 4,3% aller Frauen erscheinen in der Rubrik Politik/Wirtschaft. Überraschend ist, dass ca. jede fünfte abgebildete Frau (17,9%) in der Sportsparte auftaucht. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass der untersuchte Zeitraum mit der Frauenfußball-Weltmeisterschaft zusammenfällt. Es ist zu vermuten, dass Gruppenfotos der Fußballmannschaft die Ergebnisse verzerren.

 

Bilder von nackten Frauen 

 

In der Bild sind 0,1% aller abgebildeten Personen nackt, 1,8% oben ohne und 1,8% leicht bekleidet (insgesamt 3,7%). Diese Fotos tauchen nicht auf der Titelseite oder im Bereich Politik/Wirtschaft auf, sondern hauptsächlich in der Unterhaltungsrubrik (82,4%) sowie bei Skandal/Unglück (11,7%) und im Sport (5,8%). Von den nackt abgebildeten Personen sind 77,1% Frauen. Auch bei den Bildern von leicht bekleideten Personen machen Frauen einen Großteil aus (83,5%). Lediglich bei den Bildern mit freien Oberkörper tauchen mehr Männer auf (41,6% Frauenanteil). Die Wertung von nackten Oberkörpern bei Männern und Frauen fällt allerdings komplett unterschiedlich aus. Eine Frau mit freiem Oberkörper gilt eher als nackt, während ein Mann lediglich als leicht gekleidet wahrgenommen wird. Folgte man dieser Logik und sortierte die Anzahl der Frauen mit freiem Oberkörper zu den nackt abgebildeten Personen und die der Männer oben ohne zu den leicht bekleideten Menschen, dann ergäbe sich, dass 90% aller Nackten und 52% aller leicht Bekleideten Frauen sind. Aber auch ohne diese Rechnung ist klar zu erkennen, dass es Frauen sind, die in der Bildzeitung nackt oder leicht bekleidet dargestellt werden. Das zeigt, dass die Bild sich auf Frauenkörper fokussiert und diese sexualisiert.

 

Fazit

 

Die Ergebnisse der Analyse bestärken den Eindruck, dass die Bildzeitung Frauen nicht als kompetente, starke Persönlichkeiten in ihren vielfältigen Tätigkeitsfeldern repräsentiert, sondern sie vor allem auf ihre Körper reduziert und stark sexualisiert. Die Darstellung der Geschlechter in der Bild ist thematisch unausgewogen und bildet nicht die Realität ab. Bspw. beträgt der Frauenanteil im Bundestag 36%. Es werden kaum Frauen präsentiert, die sich außerhalb der Unterhaltungsbranche bewegen. Die Daten zeigen auch, dass es nicht nur die Bild-Girls sind, die nackt abgelichtet werden. Nur auf der Titelseite und in der Rubrik Politik/Wirtschaft tauchen keine nackten Personen auf. Gerade in der Sportberichterstattung, in der der Frauenanteil am geringsten ist, sind alle Nackten Frauen. Das verringert den Anteil der möglichen Artikel über Frauen im Profisport wiederum. Doch die Problematik der Diskriminierung von Frauen durch die Darstellung in der Bildzeitung geht weit über das Bildmaterial hinaus und erstreckt sich auch auf die Darstellung von Frauen durch Kontext und Sprachverwendung.

 

Ergebnisse in der Kurzzusammenfassung

 

In einer durchschnittlichen Bildzeitung:

• tauchen ca. 150 Personen auf: 50 Frauen und 100 Männer. Von den Frauen sind 30 im Unterhaltungsbereich zu sehen, sechs bei Skandal/Unglück, drei auf der Titelseite, zwei bei Politik/Wirtschaft und neun im Sportteil.

• taucht eine nackte Person auf, die eine Frau ist.

• wird mindestens eine Frau mit nackten Brüsten gezeigt und mindestens ein Mann mit freiem Oberkörper.

• sind drei Personen leicht bekleidet, von denen mindestens zwei Frauen sind